Мозг - приёмник?

Ist das Gehirn ein Empfänger? Wer generiert die Inhalte der Psyche?

Wenn das Gehirn Informationen empfängt, wer erzeugt sie dann?

Es gibt eine Hypothese, nach der das menschliche Gehirn die Inhalte des Bewusstseins nicht selbst erzeugt, sondern sie aus einer äußeren Quelle empfängt – ähnlich einem Radioempfänger, der Radiowellen aufnimmt.

Diese Hypothese wurde nicht nur von Philosophen und Anhängern mystischer Lehren diskutiert, sondern auch von anerkannten Wissenschaftlern.

Die bedeutende Neurophysiologin Natalja Petrowna Bechterewa berichtete, dass sie eine solche Idee erstmals 1984 bei einer UNESCO-Sitzung von dem Nobelpreisträger John Eccles gehört hatte. Damals erschien sie ihr absurd. Später jedoch, als sie die Funktionsweise des Gehirns und insbesondere das Phänomen schöpferischer Eingebungen untersuchte, begann Bechterewa, diese Möglichkeit ernster zu nehmen.

In einem Interview mit dem Titel „Labyrinthe des Gehirns“ sprach sie von zwei möglichen Erklärungen für plötzliche Einsichten. Nach der ersten funktioniert das Gehirn in einem solchen Moment wie ein idealer Empfänger von Informationen, die von außen eintreffen. Nach der zweiten schafft das Gehirn selbst die Bedingungen, die für das Entstehen einer Einsicht notwendig sind.

Dabei betrachtete Bechterewa die Empfangshypothese keineswegs als bewiesen und betonte, dass man das Gehirn nicht ausschließlich als Rezeptor ansehen dürfe.

Nehmen wir dennoch einmal an, die Hypothese vom Gehirn als Empfänger sei richtig.

Wenn das Gehirn bereits fertige Inhalte empfängt, muss es irgendwo eine Quelle dieser Inhalte geben. Doch woher stammen die Inhalte dieser Quelle?

Von wem oder wodurch werden sie generiert?

Man könnte annehmen, dass auch diese Quelle ihre Inhalte von anderswo empfängt. Dann stellt sich jedoch dieselbe Frage erneut – und so weiter, bis ins Unendliche.

Die Empfangshypothese löst somit das Problem der Entstehung psychischer Inhalte nicht. Sie verlagert es lediglich über die Grenzen der menschlichen Psyche hinaus.

Früher oder später muss man sich daher der Frage nach der Generierung zuwenden – nach dem Entstehen von Inhalten, die nicht bereits fertig aus einer anderen Quelle übernommen wurden.

Genau diese Generierung bildet die Grundlage des von mir vorgeschlagenen Modells der Psyche.

Das generative Modell der Psyche

Das generative Modell geht von der Annahme aus, dass die psychische Wirklichkeit aus zwei gleichzeitig entstehenden gegensätzlichen Entitäten besteht: dem Subjekt und der Psyche. Sie bilden die beiden Pole einer Dichotomie.

Das Subjekt ist in diesem Modell atomar, während die Psyche durch drei Dichotomien strukturiert ist:

  • Bewusstsein – Unbewusstes;
  • Wahrnehmung von Veränderungen – Wahrnehmung von Invarianten;
  • Bedeutsamkeit für das Subjekt – Bedeutsamkeit für das Nicht-Subjekt.

Die beiden letztgenannten Dichotomien werden durch vier psychische Funktionen gebildet, die psychische Inhalte generieren.

Die Dichotomie „Bewusstsein – Unbewusstes“ unterscheidet sich von ihnen dadurch, dass sie zwei Bereiche der Psyche bestimmt, in denen alle vier Funktionen Inhalte in entgegengesetzten Einstellungen generieren – in der extravertierten und der introvertierten Einstellung.

In der introvertierten Einstellung generieren die Funktionen Inhalte, die für das Subjekt relevant sind, und abstrahieren dabei von irrelevanten Inhalten. In der extravertierten Einstellung werden sowohl für das Subjekt relevante als auch irrelevante Inhalte generiert.

Die Einstellung des Bewusstseins bestimmt, ob ein Mensch einem extravertierten oder introvertierten psychologischen Typ angehört. Im Unbewussten wirken die Funktionen in der jeweils entgegengesetzten Einstellung.

Somit wird Generierung in diesem Modell auf zwei Ebenen betrachtet: als Prinzip der Entstehung der psychischen Wirklichkeit, die aus Subjekt und Psyche besteht, und als Tätigkeit der psychischen Funktionen, die die Inhalte der Psyche generieren.

Dabei setzt das Modell keine besondere Entität voraus, die zunächst selbst entsteht und anschließend das Subjekt und die Psyche erschafft. Die gleichzeitige Generierung der gegensätzlichen Pole wird als Ausgangsprinzip angenommen.

Subjekt, Psyche und Umwelt

Hier ist eine wesentliche Präzisierung erforderlich.

Unter dem Aspekt der Generierung stellt die psychische Wirklichkeit die Dichotomie „Subjekt – Psyche“ dar. Unter dem Aspekt des Inhalts stellt dieselbe psychische Wirklichkeit die Dichotomie „Subjekt – Umwelt“ dar.

Die Umwelt des Subjekts ist der Inhalt, der von der Psyche generiert wird.

Der Begriff „Umwelt“ wird hier in einer besonderen Bedeutung verwendet. Er bezeichnet alles, was für das Subjekt Nicht-Subjekt ist.

Dazu gehören nicht nur die Natur, Gegenstände und Ereignisse der Außenwelt, sondern auch andere Menschen, gesellschaftliche Beziehungen und in bestimmter Hinsicht sogar der eigene Körper.

So kann ein Mensch seinen eigenen Körper als Objekt wahrnehmen: Veränderungen an ihm bemerken, seine beständigen Eigenschaften erkennen und seinen Zustand beurteilen.

Folglich fällt die Grenze zwischen Subjekt und Umwelt innerhalb der psychischen Wirklichkeit nicht mit der physischen Grenze des menschlichen Körpers zusammen.

Außerdem muss zwischen der Umwelt des Subjekts und der unabhängigen Wirklichkeit unterschieden werden.

Die unabhängige Wirklichkeit wirkt auf den menschlichen Organismus ein. Dem generativen Modell zufolge werden die Inhalte der unabhängigen Wirklichkeit jedoch weder in fertiger Form in die Psyche übertragen noch in ihr widergespiegelt. Die psychischen Funktionen generieren infolge dieser Einwirkungen ihre eigenen Inhalte.

Das Gehirn ist ein Teil des physischen Organismus. Das Subjekt hingegen wird im generativen Modell weder mit dem Gehirn noch mit dem Organismus als Ganzem gleichgesetzt.

Deshalb sind die Frage nach der Funktionsweise des Gehirns und die Frage nach der Organisation der psychischen Wirklichkeit nicht ein und dieselbe Frage.

Das gleichzeitige Entstehen von Gegensätzen: ein Beispiel aus der Physik

Aber erscheint nicht schon die Annahme, dass zwei gegensätzliche Entitäten gleichzeitig entstehen, allzu ungewöhnlich?

In der Physik sind Prozesse bekannt, bei denen gegensätzliche Entitäten gleichzeitig entstehen.

Eines der anschaulichsten Beispiele ist die Erzeugung eines Teilchen-Antiteilchen-Paares.

Unter bestimmten Bedingungen kann ein Photon mit ausreichend hoher Energie bei der Wechselwirkung mit dem Feld eines Atomkerns ein Elektron und ein Positron erzeugen.

Das Elektron besitzt eine negative elektrische Ladung, das Positron eine positive. Ihre Massen sind gleich.

Beide Teilchen entstehen in ein und demselben physikalischen Prozess. Man kann nicht sagen, dass zuerst das Elektron entsteht und anschließend das Positron erzeugt – oder umgekehrt.

Das bedeutet weder, dass jeder Gegensatz in der Natur notwendigerweise auf diese Weise entsteht, noch, dass die psychische Wirklichkeit nach den Gesetzen der Elementarteilchenerzeugung entsteht.

Das physikalische Beispiel zeigt jedoch, dass das gemeinsame Entstehen zweier gegensätzlicher Entitäten als Ergebnis eines einzigen Prozesses keineswegs etwas Unglaubliches ist.

Im generativen Modell der Psyche wird dasselbe allgemeine Prinzip zur Beschreibung der Entstehung von Subjekt und Psyche, Bewusstsein und Unbewusstem sowie der gegensätzlichen psychischen Funktionen herangezogen.

Dabei werden Subjekt und Psyche ebenso wie Bewusstsein und Unbewusstes notwendigerweise als beide Pole der jeweiligen Dichotomien verwirklicht.

Bei den beiden funktionalen Dichotomien muss zwischen dem Entstehen der Pole und ihrer Differenzierung unterschieden werden. Das bimodale Modell des Bewusstseins beschreibt zwei alternative Modi der Differenzierung psychischer Funktionen – den rechten und den linken Weg des Bewusstseins. Auf dem rechten Weg sind alle vier Funktionen differenziert. Auf dem linken Weg ist nur die Hauptfunktion differenziert, während die übrigen drei undifferenziert bleiben.

Das Prinzip des gemeinsamen Entstehens von Gegensätzen setzt somit nicht voraus, dass sie sich in allen Fällen auf dieselbe Weise manifestieren.

Warum scheint ein fertiger Gedanke von außen zu kommen?

Kehren wir zur Hypothese vom Gehirn als Empfänger zurück.

Besonders überzeugend erscheint sie manchen Menschen im Zusammenhang mit schöpferischen Eingebungen.

Ein Dichter findet plötzlich eine fertige Verszeile in seinem Bewusstsein vor. Ein Komponist scheint eine Melodie zu hören, die er nur noch aufzuschreiben braucht. Ein Wissenschaftler findet unvermittelt die Lösung eines Problems, über das er lange nachgedacht hat.

Der Mensch beobachtet den Entstehungsprozess des Inhalts nicht. Er nimmt erst das fertige Ergebnis wahr.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass ein solches Ergebnis manchmal als etwas von außen Empfangenes erlebt wird.

Doch daraus, dass der Generierungsprozess nicht bewusst wahrgenommen wird, folgt nicht, dass er außerhalb der Psyche stattfindet.

Das bimodale Modell des Bewusstseins bietet eine Erklärung für dieses Phänomen.

Diesem Modell zufolge wird der Inhalt einer Einsicht im Unbewussten generiert und erscheint anschließend im Bewusstsein bereits als fertiges Ergebnis.

Deshalb muss zwischen dem Prozess der Generierung eines Inhalts und dem Zeitpunkt seines Bewusstwerdens unterschieden werden.

Der Inhalt entsteht nicht im Moment der Einsicht. In diesem Moment wird das Ergebnis einer vorausgegangenen unbewussten Generierung bewusst.

Diese Aussage ist eine Hypothese des bimodalen Modells des Bewusstseins und keine gesicherte neurophysiologische Tatsache.

Sie ermöglicht es, das Erleben des plötzlichen Auftauchens fertiger Inhalte zu erklären, ohne anzunehmen, dass diese Inhalte irgendwo außerhalb des Menschen existierten und von seinem Gehirn empfangen wurden.

Generiert das Gehirn psychische Inhalte?

Die moderne Neurowissenschaft verfügt über zahlreiche Belege für den engen Zusammenhang zwischen psychischer Tätigkeit und den Prozessen im Gehirn.

Das Bestehen eines solchen Zusammenhangs beantwortet jedoch für sich genommen noch nicht alle philosophischen Fragen nach dem Verhältnis zwischen psychischer und physischer Wirklichkeit.

Man kann annehmen, dass Gehirnprozesse psychische Inhalte unmittelbar hervorbringen. Man kann aber auch eine andere Möglichkeit in Betracht ziehen: dass Gehirnprozesse die Generierung psychischer Inhalte begleiten, ohne mit ihr identisch zu sein.

Ich neige dazu, die zweite Möglichkeit in Betracht zu ziehen, auch wenn sie einer eigenständigen Begründung bedarf.

Dabei ist es wichtig, diese Möglichkeit nicht mit der Hypothese vom Gehirn als Empfänger zu verwechseln.

Die Annahme, dass Gehirnprozesse die Generierung psychischer Inhalte begleiten, bedeutet keineswegs, dass diese Inhalte aus einer unbekannten äußeren Quelle eintreffen.

Das generative Modell der Psyche beschreibt die psychische Wirklichkeit anhand ihrer eigenen Struktur und der Gesetzmäßigkeiten der Generierung ihrer Inhalte. Es behauptet nicht, dass der neurophysiologische Mechanismus dieser Generierung bereits geklärt sei.

Generierung statt Empfang

Die Hypothese vom Gehirn als Empfänger lässt also eine grundlegende Frage unbeantwortet: Woher stammen die Inhalte, die das Gehirn angeblich empfängt?

Das generative Modell der Psyche schlägt eine andere Herangehensweise an das Problem vor.

Die psychische Wirklichkeit wird als Ergebnis der gleichzeitigen Generierung von Subjekt und Psyche betrachtet. Die psychischen Funktionen wiederum generieren die Inhalte, aus denen die Umwelt des Subjekts besteht.

Die unabhängige Wirklichkeit wirkt auf den Organismus ein, überträgt jedoch keine fertigen Inhalte auf die Psyche. Und das Auftauchen fertiger Gedanken, Bilder oder Lösungen im Bewusstsein beweist noch nicht, dass diese aus einer äußeren Quelle empfangen wurden.

Die Physik zeigt, dass gegensätzliche Entitäten gemeinsam in einem einzigen Prozess entstehen können. Die Erforschung der Psyche zeigt, dass dem Bewusstsein längst nicht alle Prozesse zugänglich sind, deren Ergebnisse bewusst werden.

Das generative Modell der Psyche und das bimodale Modell des Bewusstseins verbinden diese beiden Motive in einer gemeinsamen theoretischen Konstruktion: das gemeinsame Entstehen von Gegensätzen und die Generierung psychischer Inhalte, einschließlich der unbewussten Generierung.

Vielleicht liegt das größte Rätsel eines plötzlich auftauchenden Gedankens nicht darin, woher er gekommen ist, sondern darin, wie er generiert wurde, bevor wir uns seiner bewusst wurden.