Zwei Funktionen der Wahrnehmung der Wirklichkeit in der Zeit
Im vorgeschlagenen Bewusstseinsmodell werden die beiden irrationalen psychischen Funktionen als Wahrnehmung von Invarianten und Wahrnehmung von Veränderungen definiert.
Diese Definition unterscheidet sich wesentlich vom traditionellen Verständnis von Empfindung und Intuition in der psychologischen Typologie. Es geht nicht um einen Gegensatz zwischen sinnlich Wahrgenommenem und Vermutetem, zwischen Konkretem und Möglichem, zwischen Tatsache und Vorahnung. Beide irrationalen Funktionen haben es mit derselben unabhängigen Wirklichkeit zu tun, die über die Sinnesorgane auf den Organismus einwirkt. Beide nehmen das Geschehen in der Zeit wahr. Der Unterschied liegt nicht in der Quelle des Wissens, sondern darin, was im Strom des Geschehens jeweils erfasst wird.
Die Wahrnehmung von Invarianten erfasst das, was bei Veränderungen erhalten bleibt.
Die Wahrnehmung von Veränderungen erfasst das, was nicht gleich bleibt, und die Richtung, in der sich etwas verändert.
Die Welt, mit der ein Lebewesen interagiert, bleibt zugleich bestehen und verändert sich. Ein Gegenstand bewegt sich und bleibt dennoch derselbe Gegenstand. Ein Lebewesen verändert seine Körperhaltung, die Beleuchtung und die Entfernung zum Beobachter können wechseln, und dennoch kann es als dasselbe Lebewesen wiedererkannt werden. Für eine erfolgreiche Interaktion mit der umgebenden Wirklichkeit sind daher beide Operationen notwendig: das Erfassen dessen, was erhalten bleibt, und das Erfassen dessen, was sich verändert.
Beide Funktionen sind auch mit Prognosen verbunden. Die Wahrnehmung einer Invariante ermöglicht es, ihr Fortbestehen in die Zukunft zu extrapolieren. Die Wahrnehmung einer Veränderung ermöglicht es, die Richtung dieser Veränderung in die Zukunft zu extrapolieren.
Prognostizieren ist somit keine ausschließliche Eigenschaft der Wahrnehmung von Veränderungen. Unterschiedlich ist lediglich die Grundlage der Prognose:
Eine Invariante ist erhalten geblieben → ihr weiteres Fortbestehen ist wahrscheinlich.
Eine Veränderung verlief in einer bestimmten Richtung → die Fortsetzung dieser Veränderung in derselben Richtung ist wahrscheinlich.
Der Hund erkennt seinen Menschen
Ein einfaches Beispiel für die Wahrnehmung von Invarianten liefert das Verhalten eines Hundes.
Ein Hund erkennt seinen Menschen in höchst unterschiedlichen Situationen wieder. Der Mensch kann nah oder weit entfernt sein, sitzen oder gehen, unterschiedliche Kleidung tragen, sprechen oder schweigen. Beleuchtung, Hintergrund, Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Geräusche und zahlreiche andere Merkmale verändern sich.
Darüber hinaus verändert sich ein Mensch allmählich im Laufe der Zeit.
Und dennoch erkennt der Hund ihn wieder.
Für ein solches Wiedererkennen muss in einem Strom wechselnder Einwirkungen etwas relativ Beständiges erfasst werden. Die Gesamtheit der wahrgenommenen Merkmale wiederholt sich niemals vollkommen identisch, und dennoch wird das Objekt als dasselbe identifiziert.
Genau darin besteht die Aufgabe der Wahrnehmung von Invarianten: das Gleichbleibende durch die Veränderungen hindurch zu erfassen.
Selbstverständlich behaupten wir damit nicht, dass ein Hund einen Begriff der Invariante bildet oder bewusst wesentliche von unwesentlichen Merkmalen unterscheidet. Das Beispiel ist gerade deshalb wichtig, weil die Wahrnehmung von Invarianten eine solche Reflexion nicht voraussetzt.
Der Hund fängt den Ball
Die andere irrationale Funktion lässt sich besonders anschaulich an einem Hund beobachten, der einem geworfenen Ball hinterherläuft.
Würde der Hund lediglich die Position des Balls in jedem einzelnen Augenblick wahrnehmen, müsste er sich ständig dorthin bewegen, wo sich der Ball jetzt befindet. Ein erfolgreicher Fang oder ein Abfangen eines bewegten Objekts setzt jedoch voraus, nicht nur dessen jeweilige Position zu berücksichtigen, sondern auch die Veränderung seiner Position in der Zeit.
Der Ball war hier, dann befand er sich weiter entfernt und anschließend noch weiter. Aus der Abfolge dieser Veränderungen ergibt sich eine Bewegungsrichtung.
Der Hund kann dem Ball vorauslaufen und den Kopf dem ankommenden Ball entgegenwenden. Er interagiert also nicht nur mit der gegenwärtigen Position des Objekts, sondern auch mit einer zukünftigen Position, die der unmittelbaren Wahrnehmung noch gar nicht gegeben ist.
Dazu ist eine Extrapolation erforderlich:
Wenn die Veränderung bisher auf diese Weise verlief, wird sich das Objekt nach einer gewissen Zeit ungefähr dort befinden.
Dies ist ein Beispiel für die Wahrnehmung von Veränderungen und für eine darauf beruhende Prognose.
Eine solche Fähigkeit ist keineswegs nur für Hunde erforderlich. Ein Raubtier muss die Bewegung seiner Beute prognostizieren, die Beute wiederum die Bewegung des Raubtiers. Ein Vogel im Flug muss Veränderungen der Position anderer Vögel und von Hindernissen berücksichtigen. Ein Tier, das von einem Ast zum anderen springt, muss seine eigene Bewegung mit den sich verändernden räumlichen Beziehungen zwischen seinem Körper und dem Landepunkt koordinieren.
Leben in einer sich verändernden Umwelt wäre ohne die Wahrnehmung von Veränderungen nicht möglich.
Ebenso wenig wäre es ohne die Wahrnehmung von Invarianten möglich. Ein Tier muss Artgenossen, Jungtiere, Nahrungsquellen, Verstecke, gefährliche Raubtiere und vertraute Orte wiedererkennen. Die Wahrnehmung von Invarianten und die Wahrnehmung von Veränderungen stellen daher zwei fundamentale und einander ergänzende Formen der Interaktion eines Lebewesens mit der Wirklichkeit dar.
Was daraus über die Psyche von Tieren nicht geschlossen werden kann
An dieser Stelle muss eine wichtige Grenze gezogen werden.
Aus der Fähigkeit von Tieren, Invarianten und Veränderungen wahrzunehmen, folgt nicht, dass ihre psychische Wirklichkeit genauso strukturiert ist wie die menschliche.
Wir können das Verhalten von Tieren beobachten und ihre Fähigkeit untersuchen, Objekte zu unterscheiden und wiederzuerkennen, zu lernen, sich zu orientieren, Bewegungen vorherzusagen und die eigenen Handlungen an Veränderungen der Umwelt anzupassen. Einen unmittelbaren Zugang zu ihrer psychischen Wirklichkeit besitzen wir jedoch nicht.
Insbesondere verfügen wir nicht über Daten, die es uns im Rahmen des vorgeschlagenen Modells erlauben würden festzustellen, ob bei Tieren die fundamentale psychische Unterscheidung
Subjekt – Umwelt
existiert.
Das Modell versucht daher nicht, eine Frage zu beantworten, die mit seinen eigenen Mitteln nicht beantwortet werden kann. Es behauptet nicht als empirisch gesicherte Tatsache, dass ein Tier nicht zwischen Subjekt und Umwelt unterscheidet. Es überträgt aber auch nicht automatisch die Struktur der menschlichen psychischen Wirklichkeit auf Tiere.
Im Rahmen des Modells wird vielmehr eine begrenztere Annahme getroffen: Eine psychische Wirklichkeit, die als System miteinander verbundener Dichotomien organisiert ist, wird als spezifisch menschlich betrachtet.
Vier Dichotomien der menschlichen psychischen Wirklichkeit
Die menschliche psychische Wirklichkeit entsteht im vorgeschlagenen Modell als Struktur von vier fundamentalen Dichotomien:
Subjekt – Umwelt;
Bewusstsein – Unbewusstes;
Wahrnehmung von Invarianten – Wahrnehmung von Veränderungen;
Bedeutsamkeit für das Subjekt – Bedeutsamkeit für das Nicht-Subjekt.
Die beiden letztgenannten Dichotomien bilden die vier psychischen Funktionen.
Die irrationalen Funktionen sind:
S – Wahrnehmung von Invarianten;
N – Wahrnehmung von Veränderungen.
Die rationalen Funktionen sind:
F – Generierung der Bedeutsamkeit von Wissen für das Subjekt;
T – Generierung der Bedeutsamkeit von Wissen für das Nicht-Subjekt.
Hier zeigt sich jedoch ein prinzipieller Unterschied zwischen der Wahrnehmung von Invarianten und Veränderungen bei Tieren und den irrationalen Funktionen innerhalb der Struktur der menschlichen Psyche.
Wir können bei Tieren Prozesse der Wahrnehmung von Invarianten und Veränderungen annehmen. S und N als Pole einer menschlichen funktionalen Dichotomie entstehen jedoch bereits innerhalb einer psychischen Wirklichkeit, die durch weitere fundamentale Unterscheidungen organisiert ist.
Es wäre daher irreführend, die menschlichen Funktionen S und N einfach als zwei evolutionär alte Wahrnehmungsmechanismen zu betrachten, zu denen später lediglich F und T hinzugekommen wären.
In der menschlichen Psyche erhalten die Wahrnehmung von Invarianten und die Wahrnehmung von Veränderungen eine neue strukturelle Position.
Eine Funktion entsteht zusammen mit ihrer Gegenfunktion
Im Bewusstseinsmodell entsteht eine psychische Funktion nicht isoliert.
Wenn ein Pol einer funktionalen Dichotomie entsteht, entsteht gleichzeitig auch der andere.
Entsteht beispielsweise im Bewusstsein die Wahrnehmung von Invarianten in extravertierter Einstellung – Se, so entsteht gleichzeitig im Unbewussten als Gegenpol derselben Dichotomie die Wahrnehmung von Veränderungen in introvertierter Einstellung – Ni.
Es handelt sich nicht um zwei unabhängig voneinander entstandene Fähigkeiten, die erst später in eine Beziehung zueinander treten. Sie entstehen von Anfang an als Gegensätze:
Se ↔ Ni.
Damit setzt die Entstehung der menschlichen Dichotomie „Wahrnehmung von Invarianten – Wahrnehmung von Veränderungen“ bereits eine weitere fundamentale Unterscheidung voraus:
Bewusstsein ↔ Unbewusstes.
Der eine Pol der Dichotomie entsteht im Bewusstsein, der andere im Unbewussten.
Gleichzeitig ist noch eine weitere Unterscheidung vorhanden:
extravertierte ↔ introvertierte Einstellung.
Entsteht der eine Pol in extravertierter Einstellung, so entsteht der Gegenpol in introvertierter Einstellung.
Die menschliche funktionale Dichotomie S–N kann daher nicht unabhängig von der Dichotomie Bewusstsein–Unbewusstes und vom Gegensatz der beiden Einstellungen verstanden werden.
Warum die Einstellungen die Unterscheidung von Subjekt und Umwelt voraussetzen
Doch auch die extravertierte und die introvertierte Einstellung können nicht für sich allein entstehen.
Sie setzen eine fundamentalere Unterscheidung voraus:
Subjekt – Umwelt.
Solange Subjekt und Umwelt psychisch nicht voneinander unterschieden sind, können auch zwei unterschiedliche Beziehungen zum Objekt nicht einander gegenübergestellt werden.
In der extravertierten Einstellung wird das Objekt als vom Subjekt unabhängig vorausgesetzt.
In der introvertierten Einstellung wird von denjenigen Merkmalen eines Objekts der Umwelt abstrahiert, die für das Subjekt nicht relevant sind.
Gerade der Begriff der Relevanz ist hier entscheidend. Damit ein Merkmal für das Subjekt relevant oder irrelevant sein kann, muss das Subjekt überhaupt als einer der Pole der psychischen Wirklichkeit existieren.
Die introvertierte Einstellung setzt daher logisch die Unterscheidung zwischen Subjekt und Umwelt voraus.
Sie setzt die Möglichkeit voraus, ein Objekt nicht lediglich in der Gesamtheit seiner wahrnehmbaren Merkmale zu erfassen, sondern eine Auswahl in Bezug auf das Subjekt vorzunehmen: von dem zu abstrahieren, was für das Subjekt irrelevant ist.
Deshalb ist Abstraktion in diesem Modell nicht einfach mit intellektueller Komplexität oder mit der Entwicklung des Denkens verbunden. Ihre strukturelle Voraussetzung ist die Entstehung der Dichotomie:
Subjekt – Umwelt.
Ohne ein Subjekt kann nicht bestimmt werden, was für das Subjekt relevant ist. Ohne die Unterscheidung von Subjekt und Umwelt können introvertierte und extravertierte Einstellung nicht einander gegenübergestellt werden.
Die gleichzeitige Entstehung der vier Dichotomien
Die vier fundamentalen Dichotomien der menschlichen psychischen Wirklichkeit können daher nicht als vier voneinander unabhängige Errungenschaften verstanden werden, die nacheinander entstehen.
Sie bilden eine gemeinsame Struktur.
Die Entstehung der Dichotomie
Subjekt – Umwelt
ermöglicht den Gegensatz
extravertierte – introvertierte Einstellung,
denn erst nach der Unterscheidung von Subjekt und Umwelt werden zwei unterschiedliche Beziehungen zum Objekt möglich.
Eine funktionale Dichotomie setzt jedoch zugleich den Gegensatz der Einstellungen und den Gegensatz von Bewusstsein und Unbewusstem voraus.
Entsteht beispielsweise
Se – die bewusste Wahrnehmung von Invarianten in extravertierter Einstellung,
so entsteht gleichzeitig
Ni – die unbewusste Wahrnehmung von Veränderungen in introvertierter Einstellung.
Damit ist die Entstehung von Wahrnehmung von Invarianten und Wahrnehmung von Veränderungen als Pole einer funktionalen Dichotomie in der menschlichen Psyche nur innerhalb einer einheitlichen Struktur möglich, die zugleich die Unterscheidung von Subjekt und Umwelt, von Bewusstsein und Unbewusstem sowie den Gegensatz der Einstellungen umfasst.
Dasselbe gilt für die rationale Dichotomie.
Damit Bedeutsamkeit für das Subjekt entstehen kann, muss ein Subjekt unterschieden worden sein.
Damit Bedeutsamkeit für das Nicht-Subjekt entstehen kann, muss eine Unterscheidung zwischen dem Subjekt und dem bestehen, was nicht Subjekt ist.
Daher setzen auch F und T die Dichotomie „Subjekt – Umwelt“ voraus.
Es handelt sich folglich nicht um eine sukzessive Addition neuer psychischer Fähigkeiten, sondern um die Entstehung einer ganzheitlichen menschlichen psychischen Wirklichkeit.
Von der tierischen Wahrnehmung zur menschlichen funktionalen Struktur
Auf diese Weise lässt sich eine Grenze zwischen dem ziehen, was wir bei Tieren beobachten können, und dem, was das Modell als menschliche psychische Wirklichkeit definiert, ohne Tieren eine Subjektivität abzusprechen oder zuzuschreiben, über die wir nicht über ausreichendes Wissen verfügen.
Ein Hund erkennt seinen Menschen wieder – er ist also zur Wahrnehmung von Invarianten fähig.
Ein Hund fängt einen fliegenden Ball ab – er ist also zur Wahrnehmung von Veränderungen und zur Nutzung ihrer Richtung für Prognosen fähig.
Aus diesen Beobachtungen lässt sich jedoch nicht schließen, dass in seiner Psyche die Wahrnehmung von Invarianten und die Wahrnehmung von Veränderungen als entgegengesetzte Pole einer funktionalen Dichotomie existieren, von denen der eine bewusst, der andere unbewusst ist und die jeweils entgegengesetzte Einstellungen besitzen.
Erst recht lässt sich daraus nicht schließen, dass der Hund über eine psychische Wirklichkeit verfügt, die in dem vom vorgeschlagenen Bewusstseinsmodell vorausgesetzten Sinne in Subjekt und Umwelt gegliedert ist.
Die Ähnlichkeit zwischen Mensch und Tier auf der Ebene der Wahrnehmung bedeutet daher keine Identität der psychischen Organisation.
Die Hypothese des vorgeschlagenen Modells lautet vielmehr, dass das spezifisch Menschliche nicht in der Wahrnehmung von Invarianten und Veränderungen an sich besteht, sondern in der Einbindung dieser Wahrnehmungsweisen in ein System miteinander verbundener Dichotomien.
Der Mensch unterscheidet sich nicht durch die bloße Fähigkeit zur Wahrnehmung
Dieser Unterschied ist wesentlich.
Wenn man die Grenze zwischen Mensch und Tier in der Fähigkeit zur Wahrnehmung sucht, verschwindet sie: Tiere nehmen ihre Umwelt höchst effektiv wahr.
Sucht man sie in der Fähigkeit zur Prognose, wird die Grenze ebenfalls fragwürdig: Das Verhalten von Tieren setzt fortwährend eine Antizipation zukünftiger Ereignisse voraus.
Sucht man sie lediglich in der Fähigkeit, zwischen dem Gleichbleibenden und dem sich Verändernden zu unterscheiden, finden wir wiederum beide Fähigkeiten bei Tieren.
Das vorgeschlagene Modell zieht die Grenze deshalb an einer anderen Stelle.
Was den Menschen unterscheidet, ist nicht die Entstehung von Wahrnehmung als solcher, sondern die Entstehung einer psychischen Wirklichkeit als System von Dichotomien.
In ihr wird die Umwelt dem Subjekt gegenübergestellt.
Bewusstsein und Unbewusstes entstehen.
Die Wahrnehmung von Invarianten und die Wahrnehmung von Veränderungen werden zu entgegengesetzten psychischen Funktionen, die gleichzeitig in entgegengesetzten Einstellungen und mit einem entgegengesetzten Verhältnis zu Bewusstsein und Unbewusstem entstehen.
Die rationalen Funktionen entstehen: die Generierung von Bedeutsamkeit für das Subjekt und die Generierung von Bedeutsamkeit für das Nicht-Subjekt.
Und die Möglichkeit der Abstraktion entsteht, weil die introvertierte Einstellung es erlaubt, von denjenigen Merkmalen der Objekte der Umwelt zu abstrahieren, die für das Subjekt irrelevant sind.
Der Übergang zur menschlichen Psyche kann im Rahmen des vorgeschlagenen Modells daher nicht als bloße Zunahme kognitiver Fähigkeiten verstanden werden, sondern als Veränderung der Architektur der psychischen Wirklichkeit selbst.
Ein Lebewesen kann das Gleichbleibende und das sich Verändernde wahrnehmen, wiedererkennen und prognostizieren, ohne – soweit wir wissen – über jene Struktur der psychischen Wirklichkeit zu verfügen, die das Modell für den Menschen beschreibt.
Die menschliche Wahrnehmung von Invarianten und Veränderungen ist bereits in ein anderes System eingebunden. Sie existiert gleichzeitig mit der Unterscheidung von Subjekt und Umwelt, von Bewusstsein und Unbewusstem, mit dem Gegensatz der Einstellungen und mit der rationalen Dichotomie von Bedeutsamkeit für das Subjekt und Bedeutsamkeit für das Nicht-Subjekt.
Wahrnehmung von Invarianten und Wahrnehmung von Veränderungen sind beim Menschen daher nicht lediglich zwei Arten, Wissen über die Welt zu gewinnen. Sie sind die beiden Pole einer der fundamentalen Dichotomien der menschlichen psychischen Wirklichkeit.